Kaufsucht: Symptome, Ursachen & Therapie

Ein schneller Klick, ein kurzes Hochgefühl – und dann das schlechte Gewissen. Für viele Menschen ist Online-Shopping längst mehr als eine bequeme Art einzukaufen: Es ist zu einem Zwang geworden, der das Leben bestimmt. Pakete stapeln sich ungeöffnet, das Konto ist überzogen, und trotzdem lässt sich der nächste Kauf nicht aufschieben.

Wenn du dich in dieser Beschreibung wiedererkennst oder dir Sorgen um jemanden machst, bist du hier richtig. In diesem Artikel erfährst du, was Kaufsucht – in der Fachsprache auch Oniomanie oder pathologisches Kaufen genannt – genau ist, wie du sie erkennst und welche Wege es aus der Abhängigkeit gibt. Eines vorweg: Kaufsucht ist behandelbar, und der erste Schritt ist, sich zu informieren.

Dieser Artikel ersetzt keine professionelle Beratung oder Therapie. Wenn du dich in einer akuten Krise befindest, erreichst du die Telefonseelsorge jederzeit kostenlos unter 0800 111 0 111.

Was ist Kaufsucht?

Kurz & Knapp

  • Kaufsucht (Oniomanie) beschreibt einen unkontrollierbaren Drang, Waren zu kaufen, häufig online
  • Im ICD-11 wird pathologisches Kaufen unter den Impulskontrollstörungen eingeordnet. In Deutschland gilt für die Abrechnung weiterhin die ICD-10-GM
  • Nicht die Menge der Einkäufe ist entscheidend, sondern der Kontrollverlust und die negativen Konsequenzen
  • Schätzungsweise 5 bis 8 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind betroffen
  • Der Übergang von normalem Shopping zu problematischem Kaufverhalten ist fließend

Kaufsucht ist eine ernstzunehmende Störung, die weit über gelegentliches Einkaufen hinausgeht und professionelle Aufmerksamkeit verdient.

Kaufsucht – in der Fachsprache auch Oniomanie (vom griechischen onios = „zum Kauf stehend“) oder pathologisches Kaufen genannt – bezeichnet einen wiederkehrenden, unkontrollierbaren Drang, Waren zu kaufen, obwohl dies zu erheblichen negativen Konsequenzen führt. 1) Anders als beim umgangssprachlichen Kaufzwang handelt es sich nicht um eine Zwangsstörung im engeren Sinne, sondern um ein eigenständiges Störungsbild mit Merkmalen einer Verhaltenssucht.

Im Unterschied zum normalen Einkaufen steht bei einer Kaufsucht nicht der tatsächliche Bedarf im Vordergrund, sondern das Kauferlebnis selbst: das Suchen, Vergleichen, Bestellen und das kurze Hochgefühl beim Klick auf den Kaufen-Button.

Diagnostische Einordnung

Im ICD-11 (Internationale Klassifikation der Krankheiten der WHO, seit 2022 international gültig) wird pathologisches Kaufen den Impulskontrollstörungen zugeordnet. Die aktuelle Forschung diskutiert zudem Überschneidungen mit Verhaltenssüchten, da ähnliche neurobiologische Mechanismen (Veränderungen im Belohnungssystem) wie bei Glücksspielsucht oder Internetabhängigkeit eine Rolle spielen. 2)

Wichtig für Deutschland: Für die Abrechnung und offizielle Diagnosekodierung wird hierzulande weiterhin die ICD-10-GM verwendet. Die nationale Adaption der ICD-11 durch das BfArM ist noch in Arbeit. Pathologisches Kaufen kann unter den bestehenden ICD-10-Codes für Impulskontrollstörungen (F63) erfasst werden.

Normales Einkaufen vs. Kaufsucht

Die Grenze zwischen Freude am Shopping und einer behandlungsbedürftigen Störung ist fließend. Entscheidende Unterscheidungsmerkmale sind:

  • Kontrollverlust: Du kaufst mehr oder länger ein, als du dir vorgenommen hast – trotz fester Vorsätze.
  • Stimmungsregulation: Kaufen dient vorrangig dazu, negative Gefühle wie Stress, Langeweile oder Trauer zu bewältigen.
  • Negative Konsequenzen: Trotz finanzieller Probleme, Streit oder Schuldgefühlen kannst du nicht aufhören.
  • Gedankliche Einengung: Du beschäftigst dich einen großen Teil des Tages gedanklich mit dem nächsten Kauf.

Ein einzelner impulsiver Kauf ist noch keine Kaufsucht. Problematisch wird es, wenn sich ein wiederkehrendes Muster zeigt, das du trotz Vorsätzen nicht durchbrechen kannst.

Symptome und Warnsignale erkennen

Kurz & Knapp

  • Kontrollverlust beim Einkaufen ist das zentrale Symptom einer Kaufsucht
  • Betroffene verheimlichen häufig das Ausmaß ihrer Einkäufe vor dem sozialen Umfeld
  • Entzugsähnliche Symptome wie Unruhe, Gereiztheit oder Niedergeschlagenheit treten auf, wenn nicht gekauft wird
  • Kaufen wird gezielt als Strategie zur Stimmungsregulation eingesetzt
  • Auch Rückmeldungen von Freunden, Familie oder Kolleginnen können ein hilfreicher Spiegel sein

Die Warnsignale einer Kaufsucht zu erkennen, ist ein wichtiger erster Schritt, sowohl für Betroffene selbst als auch für Angehörige.

Kaufsucht entwickelt sich oft schleichend. Was als gelegentliche Belohnung beginnt, kann sich über Monate oder Jahre zu einem festen Muster verfestigen. Die folgenden Anzeichen können auf eine Kaufsucht hindeuten:

Innere Warnsignale

  • Unkontrollierbarer Kaufdrang: Du verspürst eine innere Unruhe oder Anspannung, die sich erst durch einen Kauf löst.
  • Stimmungsregulation: Du kaufst gezielt ein, um dich besser zu fühlen – bei Stress, Einsamkeit, Langeweile oder nach einem schlechten Tag.
  • Entzugsähnliche Symptome: Wenn du versuchst, nicht zu kaufen, wirst du gereizt, unruhig oder niedergeschlagen. 4)
  • Schuldgefühle und Scham: Nach dem Kauf stellt sich regelmäßig ein schlechtes Gewissen ein – trotzdem wiederholst du das Verhalten.
  • Gedankliche Einengung: Ein großer Teil deiner Gedanken kreist um den nächsten Kauf, Angebote oder Produktrecherchen.

Äußere Warnsignale

  • Verheimlichung: Du versteckst Pakete, löschst Bestellbestätigungen oder lügst über das Ausmaß deiner Ausgaben.
  • Finanzielle Probleme: Kontoüberziehungen, Ratenzahlungen, Mahnungen oder Schulden häufen sich.
  • Ungenutzte Waren: Gekaufte Artikel werden nie ausgepackt, nie benutzt oder sofort weiterverschenkt.
  • Vernachlässigung: Beziehungen, berufliche Pflichten oder Hobbys treten zugunsten des Kaufverhaltens in den Hintergrund.

Wenn du mehrere dieser Punkte bei dir wiedererkennst, kann ein Kaufsucht-Selbsttest eine erste Orientierung bieten. Er ersetzt keine professionelle Diagnostik, kann aber helfen, dein Verhalten besser einzuordnen. Auch Rückmeldungen aus deinem Umfeld – von Freundinnen, Partnern, Familienangehörigen oder Kolleginnen – können ein hilfreicher Spiegel sein. Wenn dir nahestehende Menschen wiederholt Sorgen über dein Einkaufsverhalten äußern, lohnt es sich, genauer hinzuschauen.

Ich habe abends im Bett stundenlang durch Online-Shops gescrollt. Das Bestellen hat sich angefühlt wie ein kurzer Atemzug – danach kam sofort die Scham. Aber am nächsten Abend saß ich wieder da, mit dem Handy in der Hand. Erst als meine beste Freundin mich direkt darauf angesprochen hat, konnte ich mir eingestehen, dass ich Hilfe brauche.

Betroffene Person, anonymisiert

Ursachen und Risikofaktoren

Kurz & Knapp

  • Das Dopamin-Belohnungssystem im Gehirn spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Kaufsucht
  • Emotionale Regulation durch Konsum ist ein häufiges Muster bei Betroffenen
  • Psychische Begleiterkrankungen wie Depression oder Angststörungen erhöhen das Risiko
  • Dark Patterns und personalisierte Werbung im E-Commerce verstärken problematisches Kaufverhalten
  • Biografische Faktoren wie Selbstwertprobleme oder belastende Kindheitserfahrungen können eine Rolle spielen

Kaufsucht hat selten eine einzelne Ursache. Meist ist es ein Zusammenspiel aus biologischen, psychologischen und gesellschaftlichen Faktoren.

Warum entwickeln manche Menschen eine Kaufsucht, während andere problemlos einkaufen können? Die aktuelle Forschung zeigt, dass in der Regel mehrere Faktoren zusammenwirken.

Neurobiologische Grundlagen: Das Belohnungssystem

Beim Kaufen – insbesondere beim Finden eines vermeintlichen Schnäppchens oder beim Klick auf „Jetzt bestellen“ – schüttet das Gehirn den Botenstoff Dopamin aus. Dieses Belohnungssignal erzeugt ein kurzes Hochgefühl. Bei Menschen mit einer Kaufsucht reagiert das mesolimbische Belohnungssystem (der Hirnbereich, der für Motivation und Belohnungsverarbeitung zuständig ist) besonders stark auf Kaufreize, während es im Alltag weniger aktiviert wird. 5)

Besonders wirksam sind dabei unregelmäßige Belohnungen (intermittierende Verstärkung): Nicht jeder Kauf bringt das gleiche Hochgefühl, aber die Möglichkeit eines Belohnungserlebnisses reicht aus, um das Verhalten aufrechtzuerhalten – ein Mechanismus, der auch bei Glücksspiel eine zentrale Rolle spielt.

Emotionale Regulation und psychische Komorbiditäten

Für viele Betroffene dient Kaufen als Bewältigungsstrategie (Coping-Mechanismus) für schwierige Emotionen. Studien legen nahe, dass Kaufsucht häufig gemeinsam mit folgenden Erkrankungen auftritt: 6)

  • Depression: Kaufen als kurzfristiger Stimmungsaufheller bei anhaltender Niedergeschlagenheit
  • Angststörungen: Shopping als Ablenkung von Sorgen und innerer Anspannung
  • ADHS: Die erhöhte Impulsivität und das Bedürfnis nach Stimulation begünstigen impulsives Kaufen
  • Geringes Selbstwertgefühl: Der Besitz neuer Dinge oder exklusiver Marken soll das Selbstbild aufwerten

Die Beziehung zwischen Kaufsucht und Depression ist dabei oft wechselseitig: Die Kaufsucht verstärkt depressive Symptome (durch Schulden, Scham, Isolation), und die Depression treibt weiteres Kaufen als Kompensationsversuch an.

Die Rolle des E-Commerce: Dark Patterns und digitale Verführung

Die digitale Einkaufswelt ist gezielt darauf ausgelegt, zum Kaufen zu verleiten. Dark Patterns (manipulative Designelemente in Apps und Websites) verstärken problematisches Kaufverhalten erheblich:

  • Countdown-Timer: „Nur noch 2 Stunden verfügbar“ erzeugen künstlichen Zeitdruck
  • Personalisierte Empfehlungen: Algorithmen zeigen dir genau das, was du wahrscheinlich kaufen wirst
  • One-Click-Bestellungen: Die Hürde zwischen Impuls und Kauf wird auf ein Minimum reduziert
  • Push-Benachrichtigungen: „Dein Wunschartikel ist jetzt im Sale“ aktivieren den Kaufdrang gezielt
  • „Nur noch 1 verfügbar“-Anzeigen: Künstliche Verknappung (Scarcity) erzeugt Kaufdruck

Besonders bei Kleidung und Modeartikeln – der häufigsten Produktkategorie bei Kaufsucht – setzen Online-Shops auf schnelle Kollektionswechsel, Influencer-Marketing und zeitlich begrenzte Aktionen, die das Gefühl erzeugen, etwas zu verpassen. 7)

Der Belohnungskreislauf bei Kaufsucht

Der typische Kreislauf beginnt mit einem negativen Gefühl (Stress, Langeweile, Traurigkeit). Das Gehirn signalisiert: Kaufen bringt Erleichterung. Beim Kauf wird Dopamin ausgeschüttet – ein kurzes Hochgefühl entsteht. Danach folgen Scham und Schuldgefühle, die wiederum den nächsten Kaufimpuls auslösen. Diesen Kreislauf zu durchbrechen, ist ein zentrales Ziel der Therapie.

Folgen der Kaufsucht

Kurz & Knapp

  • Finanzielle Probleme bis hin zur Überschuldung sind die häufigste Konsequenz einer Kaufsucht
  • Soziale Beziehungen leiden unter Verheimlichung, Vertrauensverlust und zunehmendem Rückzug
  • Psychische Folgen wie Scham, Depression und Angst verstärken den Teufelskreis
  • Die Wohnsituation kann durch gehortete Waren erheblich beeinträchtigt werden
  • Berufliche Konsequenzen entstehen durch Konzentrationsprobleme und Online-Shopping während der Arbeit

Die Folgen einer Kaufsucht betreffen nahezu alle Lebensbereiche. Umso wichtiger ist es, frühzeitig Hilfe zu suchen.

Kaufsucht ist weit mehr als ein teures Hobby. Die Folgen können tiefgreifend sein und sich auf alle Lebensbereiche auswirken.

Finanzielle Folgen

Die offensichtlichste Konsequenz ist die finanzielle Belastung. Betroffene berichten häufig von:

  • Dauerhafter Kontoüberziehung und wachsenden Kreditkartenschulden
  • Aufnahme von Krediten oder Ratenzahlungen, um laufende Kosten zu decken
  • Mahnungen, Inkassoverfahren und im schlimmsten Fall Privatinsolvenz
  • Verlust der finanziellen Eigenständigkeit und Abhängigkeit von anderen

Die niedrigen Hürden von „Jetzt kaufen, später bezahlen“-Modellen (Buy Now Pay Later) verstärken das Problem zusätzlich, weil die finanziellen Konsequenzen zeitversetzt eintreten und der Überblick über die Gesamtausgaben verloren geht. 8)

Soziale und zwischenmenschliche Folgen

Kaufsucht belastet Beziehungen auf vielfältige Weise. Die Verheimlichung der Einkäufe und Schulden führt zu einem Vertrauensverlust in Partnerschaften und Freundschaften. Viele Betroffene ziehen sich zunehmend zurück, um ihr Verhalten zu verbergen – was die Isolation verstärkt und das Risiko für Depressionen erhöht.

Psychische Folgen

Die emotionalen Auswirkungen einer Kaufsucht sind erheblich:

  • Scham und Schuldgefühle: Ein ständiger Begleiter, der das Selbstwertgefühl weiter untergräbt
  • Depressive Verstimmungen: Die kurzen Hochgefühle können die zunehmende Hoffnungslosigkeit nicht kompensieren
  • Angst: Vor Entdeckung, vor finanziellen Konsequenzen, vor dem Verlust nahestehender Menschen
  • Kontrollverlust: Das Gefühl, dem eigenen Verhalten hilflos ausgeliefert zu sein

Berufliche und alltägliche Folgen

Online-Shopping während der Arbeitszeit, Konzentrationsprobleme durch ständige Gedanken an den nächsten Kauf oder Fehlzeiten aufgrund psychischer Belastung können die berufliche Leistung beeinträchtigen. Auch die Wohnsituation leidet: Gehortete Waren nehmen immer mehr Raum ein und können die Lebensqualität erheblich einschränken.

Wege aus der Kaufsucht: Behandlung und Hilfe

Kurz & Knapp

  • Die psychotherapeutische Sprechstunde ist der empfohlene erste Schritt zur professionellen Einschätzung
  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist die am besten untersuchte Behandlungsmethode bei Kaufsucht
  • Selbsthilfestrategien wie die 24-Stunden-Regel, App-Sperren und Budgetpläne können den Alltag erleichtern
  • Schuldnerberatungsstellen bieten kostenlose Unterstützung bei finanziellen Problemen
  • Professionelle Hilfe frühzeitig zu suchen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke

Es gibt wirksame Wege aus der Kaufsucht. Der wichtigste Schritt ist, sich Unterstützung zu holen.

Der erste Schritt: Die psychotherapeutische Sprechstunde

Wenn du den Verdacht hast, dass dein Kaufverhalten problematisch sein könnte, ist die psychotherapeutische Sprechstunde der empfohlene erste Anlaufpunkt. Sie steht allen gesetzlich Versicherten ohne Überweisung offen und dient dazu, gemeinsam mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten einzuschätzen, ob eine Behandlung sinnvoll ist und welches Setting am besten passt. Über die Terminservicestelle (116 117) findest du zeitnah einen Termin.

Professionelle Behandlung

Die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist die am besten untersuchte und wirksamste Behandlungsmethode bei Kaufsucht. 10) In der Therapie lernst du:

  • Die Auslöser deines Kaufverhaltens zu erkennen (welche Situationen, Gefühle oder Gedanken den Drang auslösen)
  • Den Zusammenhang mit deiner eigenen Lebensgeschichte herzustellen und zu verstehen (welche biografischen Erfahrungen dein Kaufverhalten geprägt haben)
  • Denkfehler zu hinterfragen („Ich habe das verdient“, „Das Angebot kommt nie wieder“)
  • Alternative Bewältigungsstrategien zu entwickeln (z.B. Achtsamkeitsübungen, Entspannungstechniken, körperliche Aktivität)
  • Deine Emotionsregulation zu stärken, um belastende Gefühle ohne Kaufimpuls aushalten und steuern zu können
  • Die Impulskontrolle gezielt zu fördern, etwa durch Strategien zum Aufschieben und Unterbrechen von Kaufdrängen
  • Einen gesunden Umgang mit Geld und Konsum aufzubauen
  • Rückfallprophylaxe zu betreiben, also Risikosituationen zu identifizieren und Notfallpläne für kritische Momente zu entwickeln

Selbsthilfestrategien für den Alltag

Neben professioneller Hilfe können diese Strategien dich im Alltag unterstützen:

  1. 24-Stunden-Regel: Lege jeden Artikel mindestens 24 Stunden in den Warenkorb, bevor du ihn kaufst. Oft verfliegt der Drang.
  2. Shopping-Apps löschen: Entferne Shopping-Apps von deinem Smartphone und deaktiviere Push-Benachrichtigungen von Online-Shops.
  3. Gespeicherte Zahlungsdaten entfernen: Die zusätzliche Hürde, Kreditkartendaten manuell einzugeben, kann impulsive Käufe reduzieren.
  4. Budget-App nutzen: Verschaffe dir einen ehrlichen Überblick über deine Ausgaben.
  5. Newsletter abbestellen: Reduziere die Anzahl der Kaufanreize, die dich täglich erreichen.
  6. Vertrauensperson einbeziehen: Teile deine Situation mit einer Person deines Vertrauens, die dich unterstützend begleitet.

Anlaufstellen und Hilfsangebote

  • Psychotherapeutische Sprechstunde: Über die Terminservicestelle (116 117) findest du kurzfristig einen Termin
  • Schuldnerberatungsstellen: Kostenlose Beratung bei finanziellen Problemen – bundesweit verfügbar über Caritas, Diakonie oder kommunale Träger
  • Selbsthilfegruppen: Die Anonymen Kaufsüchtigen (AKS) bieten Gruppentreffen und Online-Meetings an
  • Sucht & Drogen Hotline: 01805 313 031
  • Telefonseelsorge: Kostenlos und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111 (24/7)

Mach den ersten Schritt

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Quellen

  1. Laskowski, N.M. & Müller, A. (2018): Pathologisches Kaufen, eine psychische Erkrankung? InFo Neurologie + Psychiatrie, 20, 36-42.
  2. World Health Organization (2022): ICD-11, International Classification of Diseases, 11th Revision. Kauf-Shopping-Störung kodiert unter 6C7Y (Other specified impulse control disorders), Kategorie 6C7 Impulskontrollstörungen. In der ICD-10-GM (Abrechnung in Deutschland) subsumiert unter F63.8 (Sonstige abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle). https://icd.who.int/
  3. Neuner, M., Raab, G., Reisch, L.A. (2005): Compulsive buying in maturing consumer societies: An empirical re-inquiry. Journal of Economic Psychology, 26(4), 509–522.
  4. Raab, G., Elger, C.E., Neuner, M., Weber, B. (2011): A neurological study of compulsive buying behaviour. Journal of Consumer Policy, 34(4), 401–413.
  5. Trotzke, P., Starcke, K., Müller, A., Brand, M. (2017): Cue-reactivity, craving, and decision making in buying disorder, a review of the current knowledge and future directions. Current Addiction Reports, 4, 246-253.
  6. Black, D.W. (2007): A review of compulsive buying disorder. World Psychiatry, 6(1), 14–18.
  7. Müller, A., Mitchell, J.E., de Zwaan, M. (2015): Compulsive buying. The American Journal on Addictions, 24(2), 132–137.
  8. Statistisches Bundesamt (Destatis) (2025): Statistik zur Überschuldung privater Personen 2024, Haupt-Auslöser und Beratungsanlässe. www.destatis.de
  9. Lejoyeux, M., Weinstein, A. (2010): Compulsive buying. The American Journal of Drug and Alcohol Abuse, 36(5), 248–253.
  10. Müller, A., Arikian, A., de Zwaan, M., Mitchell, J.E. (2013): Cognitive-behavioural group therapy versus guided self-help for compulsive buying disorder, a preliminary study. Clinical Psychology & Psychotherapy, 20(1), 28-35.

Häufige Fragen zur Kaufsucht

Ab wann spricht man von einer Kaufsucht?

Von einer Kaufsucht spricht man, wenn das Kaufverhalten außer Kontrolle geraten ist und trotz negativer Konsequenzen fortgesetzt wird. Entscheidende Kriterien sind Kontrollverlust, die Nutzung des Kaufens zur Stimmungsregulation, Verheimlichung und das Fortsetzen des Verhaltens trotz finanzieller oder sozialer Probleme. Ein einzelner impulsiver Kauf ist noch keine Kaufsucht – problematisch wird es, wenn sich ein wiederkehrendes Muster zeigt, das du trotz Vorsätzen nicht durchbrechen kannst.

Ist Kaufsucht eine anerkannte Krankheit?

Pathologisches Kaufen wird im ICD-11 (international gültig seit 2022) als Impulskontrollstörung eingeordnet und ist damit international als behandlungsbedürftige Störung anerkannt. In Deutschland wird für die Abrechnung aktuell noch die ICD-10-GM verwendet. Die Kosten für eine Psychotherapie werden in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, wenn eine entsprechende Diagnostik vorliegt – häufig im Zusammenhang mit komorbiden Erkrankungen wie Depression oder Angststörung.

Was hilft gegen Kaufsucht?

Die wirksamste Behandlung ist eine Kognitive Verhaltenstherapie (KVT), in der du lernst, Auslöser zu erkennen und alternative Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Aber auch andere Therapieverfahren können wirksam sein – der wichtigste Schritt ist, überhaupt professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ergänzend helfen Selbsthilfestrategien wie die 24-Stunden-Regel, das Löschen von Shopping-Apps, Budgetplanung und der Austausch in Selbsthilfegruppen. Die psychotherapeutische Sprechstunde (Termin über 116 117) ist der beste erste Schritt.

Welche Ursachen hat Online-Shopping-Sucht?

Online-Shopping-Sucht entsteht in der Regel durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: neurobiologische Veranlagung (ein empfindliches Belohnungssystem), psychische Faktoren (geringes Selbstwertgefühl, Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation, Begleiterkrankungen wie Depression oder Angst) und äußere Einflüsse (Dark Patterns im E-Commerce, personalisierte Werbung, gesellschaftlicher Konsumdruck). Auch biografische Erfahrungen wie emotionale Vernachlässigung in der Kindheit können eine Rolle spielen.

Kann man Kaufsucht allein überwinden?

Selbsthilfestrategien können bei leichteren Formen problematischen Kaufverhaltens hilfreich sein. Bei einer ausgeprägten Kaufsucht empfehlen Fachleute jedoch, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine Therapie bietet den geschützten Rahmen, um tieferliegende Ursachen zu bearbeiten und nachhaltige Veränderungen zu erreichen. Selbsthilfegruppen wie die Anonymen Kaufsüchtigen (AKS) bieten zusätzlich niedrigschwellige Unterstützung, und die Telefonseelsorge ist unter 0800 111 0 111 rund um die Uhr erreichbar.

Wo finde ich Hilfe bei Kaufsucht?

Der empfohlene erste Schritt ist die psychotherapeutische Sprechstunde – einen Termin findest du über die Terminservicestelle unter 116 117. Bei finanziellen Problemen helfen Schuldnerberatungsstellen kostenlos (z.B. über Caritas, Diakonie oder kommunale Träger). Für den Austausch mit anderen Betroffenen bieten die Anonymen Kaufsüchtigen (AKS) Gruppentreffen und Online-Meetings an. In akuten Krisen erreichst du die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 (kostenlos, 24/7).