Symbolbild: Person mit Headset nachts vor leuchtendem Gaming-Monitor

Symptome von Computerspielsucht: Wann wird Gaming zur Erkrankung?

Computerspielen gehört für Millionen von Menschen zum Alltag – als Freizeitvergnügen, kreative Herausforderung oder soziale Aktivität. Der weitaus größte Teil aller Spielerinnen und Spieler bewegt sich dabei in einem gesunden Rahmen. Doch bei einem kleinen Teil kann exzessives Spielen zu einer ernsthaften Erkrankung werden, die Alltag, Schlaf, Beziehungen und berufliche oder schulische Leistung erheblich beeinträchtigt.

Wenn du dich fragst, ob dein eigenes Spielverhalten oder das einer dir nahestehenden Person Grenzen überschreitet, bist du hier richtig. Dieser Artikel erklärt, welche Symptome auf eine Computerspielstörung (Gaming Disorder) hinweisen können, wie die Psychologie zwischen intensivem Hobby und Erkrankung unterscheiden – und welche ersten Schritte sinnvoll sein können.

Was ist Computerspielstörung? Wenn Gaming zur Erkrankung wird

Kurz & Knapp

  • Die WHO hat die Computerspielstörung (Gaming Disorder) 2022 offiziell in die ICD-11 aufgenommen und als eigenständige Störung klassifiziert.
  • In Deutschland wird für die Abrechnung und Diagnosekodierung weiterhin die ICD-10-GM verwendet. Eine Behandlung ist auch ohne eigenständigen ICD-10-GM-Code möglich.
  • Entscheidend für die Diagnose ist nicht allein die Spielzeit, sondern vor allem ein anhaltender Kontrollverlust und eine deutliche Beeinträchtigung des Alltags.
  • Die Entstehung kann durch das Zusammenspiel individueller, sozialer und spielbezogener Risikofaktoren begünstigt werden.
  • Besonders häufig betroffen sind Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene – eine Computerspielstörung kann jedoch in jedem Alter auftreten.

Computerspielstörung ist eine anerkannte Verhaltenssucht – und eine behandelbare Erkrankung.

Im Jahr 2022 nahm die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Computerspielstörung – englisch Gaming Disorder – offiziell in die Internationale Klassifikation der Erkrankungen, 11. Revision (ICD-11), auf. Sie wird dort als Verhaltenssucht unter dem Code 6C51 geführt, als eigenständige Störung neben der Glücksspielstörung.1)

Wichtiger Hinweis für Deutschland: Für die offizielle Abrechnung und Diagnosekodierung wird in Deutschland weiterhin die ICD-10-GM verwendet (Stand 2026). Das BfArM arbeitet an der nationalen Adaption der ICD-11. Ein fehlender eigenständiger ICD-10-Code bedeutet jedoch ausdrücklich nicht, dass keine Behandlung möglich ist.

Doch wann wird intensives Spielen zur Erkrankung? Die Entstehung einer Computerspielstörung lässt sich nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen. Verschiedene individuelle, soziale und spielbezogene Faktoren können zusammenwirken. Dazu gehören beispielsweise persönliche Eigenschaften oder psychische Belastungen, soziale Isolation oder familiäre Konflikte sowie bestimmte Merkmale von Computerspielen, etwa Belohnungsmechanismen, Lootboxen oder soziale Online-Strukturen.

Entscheidend ist: Die reine Spielzeit ist kein Diagnosekriterium. Viele Menschen spielen intensiv und trotzdem ohne Beeinträchtigungen. Der Unterschied liegt nicht in der Stundenzahl, sondern darin, ob das Spielverhalten die Kontrolle über das eigene Leben übernimmt.

Die drei Kernsymptome nach ICD-11

Kurz & Knapp

  • Kernsymptom 1: Beeinträchtigte Kontrolle über Beginn, Dauer und Ende des Spielens.
  • Kernsymptom 2: Gaming hat Vorrang vor anderen Aktivitäten und Lebensbereichen.
  • Kernsymptom 3: Fortsetzung des Spielens trotz deutlich negativer Konsequenzen.
  • Alle drei Kriterien müssen typischerweise über mindestens 12 Monate vorliegen.
  • Rückmeldungen von Freunden oder Familie können ein hilfreicher erster Spiegel sein.

Die drei ICD-11-Kriterien unterscheiden Gaming als Erkrankung von leidenschaftlichem, aber gesundem Spielen.

Die ICD-11 definiert eine Computerspielstörung anhand von drei zentralen Merkmalen. Diese müssen über einen längeren Zeitraum bestehen, zu einem deutlichen Kontrollverlust über das Spielverhalten führen und mit erheblichen Beeinträchtigungen im persönlichen, familiären, sozialen, schulischen oder beruflichen Leben verbunden sein. Eine internationale Delphi-Befragung von Expertinnen und Experten kam zudem zu dem Ergebnis, dass die ICD-11-Kriterien eine hohe diagnostische Validität aufweisen und intensives, aber nicht problematisches Spielen weniger stark pathologisieren als frühere Kriteriensysteme.³

1. Beeinträchtigte Kontrolle über das Spielverhalten

Betroffene haben zunehmend Schwierigkeiten, Beginn, Dauer, Häufigkeit oder Ende von Spielsitzungen selbst zu steuern. Das Spielen dauert regelmäßig länger als geplant – nicht aus Begeisterung, sondern weil die innere Kontrolle nachlässt. Ein typischer Gedanke: „Ich wollte eigentlich längst aufhören, aber ich konnte einfach nicht."

2. Spielen hat Vorrang vor anderen Lebensbereichen

Gaming rückt an die erste Stelle – vor Schule, Beruf, Freundschaften, Familie und körperliche Gesundheit. Andere Aktivitäten werden zunehmend vernachlässigt oder ganz aufgegeben. Das soziale und berufliche Leben verengt sich schrittweise um das Spielen herum.

3. Fortführung trotz negativer Konsequenzen

Trotz klar erkennbarer negativer Folgen – schlechtere schulische oder berufliche Leistungen, Konflikte in Beziehungen, Schlafentzug, gesundheitliche Probleme – wird das Spielen nicht reduziert. Betroffene sind sich der Schäden mitunter bewusst und versuchen möglicherweise bereits, weniger zu spielen oder ganz aufzuhören. Im Rahmen einer Abhängigkeit gelingt es ihnen jedoch nicht, das Verhalten dauerhaft zu verändern.

Zeitkriterium: Die beschriebenen Merkmale müssen in der Regel über einen Zeitraum von mindestens zwölf Monaten bestehen. Bei besonders schwerer Symptomatik und deutlich erkennbaren Beeinträchtigungen kann eine Diagnose jedoch auch früher in Betracht gezogen werden.³

Hinweis: Rückmeldungen aus dem eigenen Umfeld – von Freunden, der Familie oder Kolleginnen und Kollegen – können ein wertvoller erster Spiegel sein, wenn man selbst unsicher ist, ob das eigene Spielverhalten problematisch ist.

Die Sucht-Spirale: Ein sich selbst verstärkender Kreislauf

Computerspielstörung entwickelt sich selten abrupt. Typisch ist eine schleichende Eskalation: Was mit entspanntem Spielen beginnt, wird zur Routine, dann zur dringenden Notwendigkeit. Das Gehirn lernt Gaming als zuverlässige Belohnungsquelle – und verlangt mit der Zeit immer mehr davon. In der Psychologie spricht man von intermittierende Verstärkung (unregelmäßige, schwer vorhersehbare Belohnungen): Unvorhersehbare Belohnungen im Spiel aktivieren das Dopaminsystem besonders stark und machen das Aufhören schwer. Die drei Kernkriterien verstärken sich gegenseitig – ein Teufelskreis.

Ich wollte wirklich aufhören. Jede Nacht sagte ich mir: noch eine Runde. Und dann war es vier Uhr morgens. Das war nicht mehr ich, der entschied – das Spiel entschied für mich.

Betroffener, 24 Jahre (anonymisiertes Beispiel)

Psychische Warnsignale: Entzug, Craving und Stimmungsregulation

Kurz & Knapp

  • Entzugssymptome beim Nicht-Spielen: Reizbarkeit, Angst, innere Unruhe und Niedergeschlagenheit.
  • Craving – intensives, schwer kontrollierbares Spielverlangen – ist ein zentrales Suchtmerkmal.
  • Spielen zur Regulation negativer Gefühle (Flucht, Stimmungsaufhellung) verstärkt die Abhängigkeit langfristig.
  • Gedankenkreisen rund ums Spielen auch in spielfreien Zeiten ist ein frühes Warnsignal.
  • Stimmungsschwankungen und Gereiztheit außerhalb des Spielens deuten auf emotionale Abhängigkeit hin.

Psychische Warnsignale sind oft die ersten Zeichen einer sich entwickelnden Computerspielstörung – noch bevor körperliche Folgen sichtbar werden.

Neben den drei ICD-11-Kernkriterien gibt es eine Reihe psychischer Symptome, die auf eine sich entwickelnde oder bestehende Computerspielstörung hinweisen können. Sie betreffen Stimmung, Denken und inneres Erleben – auch dann, wenn der Bildschirm gerade ausgeschaltet ist.

Unruhe und Reizbarkeit bei Spielpausen

Wenn das Spielen nicht möglich ist, können Betroffene mit Reizbarkeit, Unruhe, Anspannung oder Niedergeschlagenheit reagieren. Solche Beschwerden werden im Zusammenhang mit Computerspielstörungen häufig als entzugähnliche Symptome beschrieben. Sie können insbesondere dann auftreten, wenn das Spielen eingeschränkt wird oder nicht zur Verfügung steht. Bei manchen Betroffenen bessert sich die Stimmung vorübergehend, sobald sie wieder spielen können.

Starkes Verlangen nach dem Spielen

Das sogenannte Craving, also ein starkes oder schwer kontrollierbares Verlangen nach dem Spielen, kann einen erheblichen Teil der Aufmerksamkeit einnehmen. Es kann beispielsweise durch Langeweile, Stress oder belastende Situationen ausgelöst werden, aber auch scheinbar ohne konkreten Anlass auftreten. Ein starkes Verlangen allein bedeutet noch keine Computerspielstörung – problematisch wird es insbesondere dann, wenn es schwer zu kontrollieren ist und andere Lebensbereiche beeinträchtigt.

Spielen zur Stimmungsregulation

Ein häufiges Muster: Das Spielen wird genutzt, um negative Gefühle wie Angst, Traurigkeit, Einsamkeit oder Stress zu regulieren oder zu betäuben. Laut einer Netzwerkanalyse mit über 3.400 jungen Menschen zählt „Gaming als Flucht oder zur Stimmungsverbesserung" zu den zentralen Brücken-Symptomen zwischen Computerspielstörung und Depression.2) Kurzfristig kann das Spielen tatsächlich entlasten – langfristig verhindert es, dass Betroffene andere Bewältigungsstrategien entwickeln, und verstärkt die Abhängigkeit.

Gedankenkreisen rund ums Spielen

Auch außerhalb des Spielens können sich die Gedanken häufig um Gaming drehen – etwa um vergangene Partien, Strategien, Fortschritte oder den nächsten Login. Eine solche starke gedankliche Beschäftigung mit dem Spielen kann darauf hindeuten, dass Gaming zunehmend Raum im Alltag einnimmt. Besonders relevant wird sie, wenn andere Themen, Aktivitäten oder Verpflichtungen dadurch in den Hintergrund treten.

Wenn ich nicht spielen konnte, war ich wie ausgewechselt. Aggressiv, rastlos – ich konnte mich auf nichts anderes konzentrieren. Meine Familie dachte, ich hätte ein schlechtes Temperament. Dabei war es das Verlangen nach dem Spiel.

Betroffene, 31 Jahre (anonymisiertes Beispiel)

Körperliche und soziale Folgesymptome

Kurz & Knapp

  • Chronischer Schlafmangel durch nächtliche Spielsitzungen ist eines der häufigsten körperlichen Symptome.
  • Vernachlässigung von Mahlzeiten, Körperpflege und Bewegung sind typische Begleiterscheinungen.
  • Soziale Isolation – Rückzug von Freundschaften, Familie und realen Aktivitäten – ist ein zentrales Warnsignal.
  • Leistungseinbrüche in Schule oder Beruf können ein früher Hinweis auf problematisches Spielverhalten sein.
  • Verbergen des Spielverhaltens und Lügen über den Zeitaufwand deuten auf erlebten Kontrollverlust hin.

Körperliche und soziale Folgesymptome sind oft für das Umfeld sichtbarer als psychische Warnsignale – und werden häufig zuerst von Angehörigen wahrgenommen.

Computerspielstörung hinterlässt Spuren – im Körper, in sozialen Beziehungen und im Alltag. Diese Symptome sind für das Umfeld oft greifbarer als die inneren, psychischen Warnsignale.

Körperliche Symptome

  • Schlafmangel: Spielsitzungen dehnen sich in die Nacht aus; Schlaf wird zugunsten des Spielens geopfert. Langfristig führt dies zu Erschöpfung, Konzentrationsproblemen und einem geschwächten Immunsystem.
  • Vernachlässigung von Mahlzeiten: Hunger wird ignoriert, Mahlzeiten werden übersprungen oder hastig am Bildschirm eingenommen.
  • Körperliche Inaktivität: Stundenlange Sitzpositionen ohne Pausen können zu Rücken- und Nackenschmerzen führen; Bewegungsmangel wird zur Gewohnheit.
  • Vernachlässigung der Körperpflege: Hygiene, Kleidung und Selbstfürsorge rücken in den Hintergrund, weil sie als Unterbrechung des Spielens erlebt werden.

Soziale und alltägliche Symptome

  • Soziale Isolation: Freundschaften, Familienzeit und reale Freizeitaktivitäten werden zunehmend zugunsten des Spielens aufgegeben. Forschungsergebnisse zeigen, dass soziale Isolation und Computerspielstörung sich gegenseitig verstärken können.2)
  • Leistungseinbrüche: Schulnoten oder Arbeitsergebnisse verschlechtern sich; Termine, Hausaufgaben und Aufgaben werden nicht mehr zuverlässig erledigt.
  • Verbergen des Spielverhaltens: Betroffene lügen über die Spielzeit oder verstecken sie vor Eltern, Partnerinnen und Partnern oder Vorgesetzten. Das Vertuschen ist selbst ein Hinweis darauf, dass das Verhalten als problematisch erlebt wird.
  • Wiederkehrende Konflikte: Häufige Auseinandersetzungen im näheren Umfeld über das Spielverhalten sind ein klassisches Begleitmuster.

Risikofaktoren und häufige Begleiterkrankungen

Kurz & Knapp

  • ADHS ist ein bedeutsamer Risikofaktor: 44 % der jungen Menschen mit ADHS erfüllten in einer Studie die Kriterien für Computerspielstörung.
  • Depression und Angststörungen treten häufig gleichzeitig mit Computerspielstörung auf.
  • Eskapismus – Spielen als Flucht vor Problemen oder negativen Gefühlen – erhöht die Anfälligkeit.
  • Spielimmanente Mechanismen wie variable Belohnungsschleifen und soziale Verpflichtungsstrukturen erhöhen das Suchtpotenzial.
  • Computerspielstörung ist keine Frage mangelnder Disziplin, sondern entsteht aus dem Zusammenspiel vieler Faktoren.

Das Verständnis von Risikofaktoren hilft, gefährdete Personen frühzeitig zu erkennen – und entstigmatisiert die Erkrankung.

Welche Faktoren können die Entwicklung einer Computerspielstörung begünstigen?

Eine Computerspielstörung hat keine einzelne Ursache. Verschiedene biologische, psychische, soziale und spielbezogene Faktoren können dazu beitragen, dass sich ein problematisches Spielverhalten entwickelt. Dabei gilt: Ein einzelner Risikofaktor bedeutet nicht, dass zwangsläufig eine Computerspielstörung entsteht.

ADHS als bedeutsamer Risikofaktor

Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist einer der am besten belegten Risikofaktoren. In einer Studie von Berloffa et al. (2022) erfüllten 44 % der Kinder und Jugendlichen mit ADHS die Kriterien für eine Computerspielstörung – gegenüber nur 9,5 % in der Vergleichsgruppe.4) Insbesondere das Ausmaß der Unaufmerksamkeit – weniger die Hyperaktivität – zeigte den stärksten Zusammenhang. ADHS-Betroffene nutzen Computerspiele möglicherweise stärker, weil die intensiven, unmittelbaren Belohnungsreize den veränderten Dopaminstoffwechsel vorübergehend ausgleichen.

Depression und Angststörungen

Depression und Angststörungen treten häufig gleichzeitig mit Computerspielstörung auf. Die Kausalität ist dabei komplex: Manchmal gehen psychische Erkrankungen dem exzessiven Spielen voraus, manchmal entwickeln sie sich als Folge – oder beide verstärken sich gegenseitig. Laut einer Studie unter koreanischen Jugendlichen zeigten 15,1 % der Betroffenen mit Gaming Disorder depressive Symptome und 9,2 % Angstsymptome.6)

Eskapismus und soziale Unsicherheit

Ein weiterer Risikofaktor ist das Muster, vor Problemen, sozialen Anforderungen oder negativen Gefühlen ins Spiel zu fliehen. Computerspiele bieten ein kontrolliertes Erleben von Kompetenz, Zugehörigkeit und Belohnung – Erfahrungen, die in der Realität als schwer erreichbar erlebt werden. Diese Funktion kann kurzfristig entlasten, langfristig aber die reale Lebensgestaltung ersetzen.

Spielbezogene Faktoren

Bestimmte Spielmechanismen erhöhen das Suchtpotenzial gezielt: variable Belohnungsschleifen (z. B. Loot-Boxes, zufällige Drops), soziale Verpflichtungsstrukturen (z. B. Gilden mit täglichen Pflichten), die Dauerverfügbarkeit über Smartphone sowie Wettbewerbsdruck in Online-Spielen. Diese Mechanismen sind nicht zufällig – sie sind bewusst konzipiert, um die Verweildauer zu maximieren.

Erste Schritte: Symptome einordnen und Hilfe finden

Kurz & Knapp

  • Ein Selbsttest bietet erste Orientierung – ersetzt aber keine professionelle Diagnostik.
  • Die psychotherapeutische Sprechstunde ist der empfohlene erste Schritt für eine fachliche Einschätzung.
  • Kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze (KVT) haben sich in Studien als wirksam erwiesen – andere Therapieformen können ebenso helfen.
  • Angehörige können Betroffene sensibel ansprechen – ohne Vorwürfe, mit ehrlicher Sorge.
  • Bei akuter psychischer Not steht die Telefonseelsorge kostenlos zur Verfügung.

Der erste Schritt muss kein großer sein – ein Gespräch in der psychotherapeutischen Sprechstunde kann schon viel Klarheit bringen.

Wenn du dich oder jemanden aus deinem Umfeld in den beschriebenen Symptomen wiedererkennst, ist das kein Grund zur Panik – aber ein gutes Zeichen, dass eine genauere Betrachtung sinnvoll sein kann.

Selbstbeobachtung und Selbsttest

Ein strukturierter Selbsttest kann eine erste Orientierung bieten, ob das eigene Spielverhalten möglicherweise problematisch ist. Er ersetzt keine professionelle Diagnostik, kann aber helfen, das eigene Erleben einzuordnen und den nächsten Schritt zu erleichtern.

Wie steht es um dein Spielverhalten?

Unser kurzer Selbsttest hilft dir, erste Hinweise zu bekommen – anonym und kostenlos.

Zum Computerspielsucht-Selbsttest

Psychotherapeutische Sprechstunde als erster Schritt

Der empfohlene erste Schritt bei Verdacht auf eine Computerspielstörung ist die psychotherapeutische Sprechstunde. Dort wird nicht sofort eine Therapie begonnen, sondern gemeinsam eingeschätzt, ob und welches Behandlungssetting am geeignetsten wäre – etwa eine ambulante Psychotherapie, eine Suchtberatungsstelle oder eine intensivere Unterstützung. Für die Terminvereinbarung ist keine Überweisung notwendig.

Psychotherapie und weitere Behandlungsansätze

Für Jugendliche konnte ein kognitiv-verhaltenstherapeutisches (KVT) Gruppeninterventionsprogramm (das deutsche PROTECT-Programm) die Symptomschwere von Computerspielstörung über 12 Monate signifikant reduzieren – mit einem klinisch relevantem Effekt.5) Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist ein gut erforschter Ansatz. Andere Verfahren – systemische Therapie, motivierende Gesprächsführung (Motivational Interviewing), achtsamkeitsbasierte Ansätze – können ebenso wirksam sein. Wichtiger als die Wahl der spezifischen Therapierichtung ist: überhaupt professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Was Angehörige tun können

Wenn du dir Sorgen um eine nahestehende Person machst: Ein ruhiges, ehrliches Gespräch ohne Vorwürfe kann ein erster Impuls sein. Schildere konkret, was du beobachtest – nicht, was du vermutest oder bewertest. Professionelle Beratungsangebote (z. B. Suchtberatungsstellen) unterstützen auch Angehörige.

Bei akuter psychischer Not ist die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 (kostenlos, 24 Stunden täglich, 7 Tage die Woche) erreichbar. Die Sucht- und Drogenhotline ist unter 01805 313 031 erreichbar.

Quellen

  1. Fuchs M, Leonhardt A, Sevecke K. Computerspielstörung gemäß ICD-11: Hintergrund, Kriterien und mögliche Implikationen. Prax Kinderpsychol Kinderpsychiatr. 2024;73(8):753–771. https://doi.org/10.13109/prkk.2024.73.8.753
  2. Fong TCT et al. Comorbidity among symptoms of internet gaming disorder, social withdrawal, and depression in 3430 young people in Hong Kong: A network analysis. J Affect Disord. 2024;359:319–326. https://doi.org/10.1016/j.jad.2024.05.091
  3. Castro-Calvo J et al. Expert appraisal of criteria for assessing gaming disorder: an international Delphi study. Addiction. 2021;116(9):2463–2475. https://doi.org/10.1111/add.15411
  4. Berloffa S et al. Internet Gaming Disorder in Children and Adolescents with Attention Deficit Hyperactivity Disorder. Children (Basel). 2022;9(3). https://doi.org/10.3390/children9030428
  5. Lindenberg K et al. Effectiveness of Cognitive Behavioral Therapy-Based Intervention in Preventing Gaming Disorder in Adolescents. JAMA Netw Open. 2022;5(2):e2148995. https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2021.48995
  6. Yu H, Cho J. Prevalence of Internet Gaming Disorder among Korean Adolescents and Associations with Non-psychotic Psychological Symptoms, and Physical Aggression. Am J Health Behav. 2016;40(6):705–716. https://doi.org/10.5993/AJHB.40.6.3

Häufige Fragen

Ab wie vielen Stunden täglich ist Gaming eine Sucht?

Die Spielzeit allein ist kein Diagnosekriterium. Computerspielstörung wird nicht durch eine bestimmte Stundenzahl definiert, sondern durch Kontrollverlust, den Vorrang des Spielens vor anderen Lebensbereichen und die Fortsetzung trotz negativer Konsequenzen. Manche Menschen spielen sehr viele Stunden ohne Beeinträchtigungen; bei anderen entwickelt sich schon bei geringerem Zeitaufwand eine problematische Abhängigkeit. Entscheidend ist die Frage: Bestimme ich, wann ich aufhöre – oder tut es das Spiel?

Ist Computerspielsucht eine anerkannte Diagnose?

Ja. Die WHO hat Gaming Disorder (Computerspielstörung) seit 2022 in der ICD-11 als Verhaltenssucht anerkannt (Code 6C51). In Deutschland gilt für die Abrechnung weiterhin die ICD-10-GM, die keinen eigenständigen Code für Gaming Disorder enthält. Das bedeutet jedoch ausdrücklich nicht, dass keine Behandlung möglich ist – Betroffene können und sollten professionelle Hilfe in Anspruch nehmen.

Wie äußern sich Entzugssymptome bei Computerspielsucht?

Entzugssymptome äußern sich bei Computerspielstörung vor allem psychisch: Reizbarkeit, innere Unruhe, Angst und Niedergeschlagenheit, wenn das Spielen nicht möglich ist. Im Gegensatz zu Substanzabhängigkeiten sind körperliche Entzugssymptome seltener, aber möglich. Diese psychischen Symptome können für Betroffene und ihr Umfeld sehr belastend sein und werden oft fälschlich als schlechte Laune oder Temperamentsausbrüche gedeutet.

Können auch Erwachsene eine Computerspielsucht entwickeln?

Ja. Obwohl Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene überproportional häufig betroffen sind, kann eine Computerspielstörung in jedem Lebensalter auftreten. Bei Erwachsenen zeigen sich die Symptome – Kontrollverlust, Vernachlässigung von Arbeit und sozialen Beziehungen, Schlafmangel – häufig im Kontext von Online-Rollenspielen, Strategiespielen oder kompetitiven Multiplayer-Spielen.

Mein Kind spielt sehr viel – wie erkenne ich Computerspielsucht?

Wichtige Warnsignale sind: ausgeprägte Reizbarkeit oder Aggressivität, wenn das Spielen unterbrochen wird; schlechtere schulische Leistungen; Rückzug von Freunden und Familie; Vernachlässigung von Körperpflege; Lügen über die Spielzeit; Interessenverlust an früheren Hobbys. Wenn mehrere dieser Zeichen über einen längeren Zeitraum bestehen, kann eine Beratung durch Kinder- und Jugendpsychotherapeutinnen oder -therapeuten hilfreich sein. Eine professionelle Einschätzung gibt mehr Sicherheit als eine Selbstdiagnose.

Welche Therapieformen helfen bei Computerspielsucht?

Am besten belegt ist die kognitive Verhaltenstherapie (KVT), die auf das Erkennen und Verändern von Gedankenmustern und Verhaltensweisen abzielt. Ein deutsches KVT-Gruppeninterventionsprogramm konnte die Symptomschwere bei Jugendlichen signifikant reduzieren. Andere Verfahren – systemische Therapie, motivierende Gesprächsführung, achtsamkeitsbasierte Ansätze – können ebenso wirksam sein. Wichtiger als die spezifische Therapierichtung ist, überhaupt professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Der erste Schritt ist die psychotherapeutische Sprechstunde.

Was ist der Unterschied zwischen Gaming Disorder (ICD-11) und Internet Gaming Disorder (DSM-5)?

Die Begriffe überschneiden sich stark. Internet Gaming Disorder (IGD) wurde vom DSM-5 als Kategorie für weitere Forschung vorgeschlagen und bezieht sich speziell auf Online-Spiele. Gaming Disorder nach ICD-11 umfasst sowohl Online- als auch Offline-Spiele und ist die aktuell international anerkannte Diagnose. In der wissenschaftlichen Literatur werden beide Begriffe häufig synonym verwendet. Für die klinische Praxis in Deutschland ist die ICD-11-Definition maßgeblich.