Symbolbild: dunkles Gaming-Zimmer mit offener Tür zu hellem Flur

Therapie bei Computerspielsucht: Wege aus der Abhängigkeit

Gaming ist für Millionen Menschen eine normale, bereichernde Freizeitbeschäftigung. Für einen Teil jedoch wird das Spielen zu einer Suchterkrankung, die Alltag, soziale Beziehungen und psychische Gesundheit erheblich beeinträchtigt. Die gute Nachricht: Computerspielsucht ist behandelbar. Seit 2025 gibt es erstmals eine deutsche Leitlinie, die evidenzbasierte Empfehlungen zur Diagnose und Therapie von Computerspielstörungen zusammenfasst. Dieser Artikel erklärt, welche Therapieformen es gibt, was du beim ersten Schritt ins Hilfesystem erwartet und wie Selbsthilfe und Angehörigenunterstützung den Genesungsprozess begleiten können.

Computerspielsucht – wann wird Spielen zur Erkrankung?

Kurz & Knapp

  • Computerspielstörung seit 2019 als eigenständige Diagnose in der ICD-11 (Gaming Disorder, Code 6C51) gelistet
  • In Deutschland gilt für Abrechnung und offizielle Kodierung weiterhin die ICD-10-GM; die ICD-11 ist noch nicht vollständig national adaptiert
  • Drei Kernkriterien: Kontrollverlust, Vorrang des Spielens vor anderen Lebensbereichen, Fortführung trotz negativer Folgen
  • Schätzungen: bis zu 2,1 % der Bevölkerung in Deutschland betroffen; bei Jugendlichen möglicherweise höher
  • Intensives Spielen allein ist keine Sucht – erst anhaltende Beeinträchtigung über mindestens 12 Monate begründet eine Diagnose

Nicht jede intensive Spielphase ist Sucht – für eine zuverlässige Einschätzung ist professionelle Diagnostik notwendig.

Gaming macht Spaß, bietet sozialen Anschluss und kann Stress abbauen. Bei einem Teil der Spielenden kann die Nutzung jedoch ein Ausmaß annehmen, das klinisch relevant wird. Seit 2019 führt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die sogenannte Gaming Disorder (Computerspielstörung) unter dem Code 6C51 in der ICD-11 als eigenständige psychische Erkrankung. In Deutschland wird für Abrechnung und offizielle Diagnosekodierung weiterhin die ICD-10-GM verwendet; das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) arbeitet an der nationalen Adaption der ICD-11.

Drei Kernkriterien definieren die Computerspielstörung:

  • Kontrollverlust: Das Spielverhalten lässt sich hinsichtlich Beginn, Häufigkeit und Dauer nicht mehr eigenständig steuern.
  • Vorrang des Spielens: Gaming erhält Priorität gegenüber anderen Interessen, Alltagspflichten und sozialen Beziehungen.
  • Fortführung trotz negativer Folgen: Das Verhalten wird auch dann aufrechterhalten, wenn es in Schule, Beruf, Familie oder Gesundheit zu Problemen führt.

Diese Kriterien müssen über einen Zeitraum von mindestens zwölf Monaten bestehen, um eine Diagnose zu begründen. Typische Suchtmerkmale – Craving (das starke Verlangen zu spielen), Toleranzentwicklung, Entzugssymptome wie Reizbarkeit bei Spielunterbrechung und Täuschung von Angehörigen über das Ausmaß der Nutzung – können zusätzlich vorhanden sein.1)

Wichtig: Auch Rückmeldungen von Freunden, Familienmitgliedern oder Kolleginnen können ein hilfreicher Spiegel sein – oft nehmen Außenstehende Veränderungen früher wahr als Betroffene selbst.

Der erste Schritt: Psychotherapeutische Sprechstunde und Diagnostik

Kurz & Knapp

  • Psychotherapeutische Sprechstunde ist der empfohlene erste Anlaufpunkt – sie klärt, welches Behandlungssetting sinnvoll ist
  • Suchtberatungsstellen bieten kostenlose, oft anonyme Beratung ohne Überweisung
  • Spezialisierte Fachambulanzen (z. B. an Universitätskliniken) führen strukturierte Diagnostik durch
  • Professionelle Diagnostik klärt Schweregrad und häufige Begleiterkrankungen wie Depression und ADHS
  • Selbsttests bieten erste Orientierung, ersetzen aber keine professionelle Diagnostik

Der erste Schritt muss nicht der schwierigste sein – oft reicht ein Anruf bei einer Beratungsstelle.

Wer sich fragt, ob das eigene Spielverhalten oder das eines Angehörigen behandlungsbedürftig ist, muss nicht sofort eine Therapie beginnen. Der empfohlene erste Schritt ist eine psychotherapeutische Sprechstunde. Dort beurteilen Fachkräfte gemeinsam mit dir den Schweregrad des problematischen Verhaltens, klären mögliche Begleiterkrankungen ab und helfen einzuschätzen, welches Behandlungssetting – ambulant, teilstationär oder stationär – am sinnvollsten ist.

Folgende Anlaufstellen stehen zur Verfügung:

  • Psychotherapeutische Sprechstunde: Niedergelassene Psychotherapeutinnen und -therapeuten bieten gesetzlich vorgeschriebene Erstgespräche an, die ohne langen Warteweg zugänglich sind.
  • Suchtberatungsstellen: Kostenlose, oft anonyme Beratung vor Ort – niedrigschwellig und ohne Überweisung nutzbar.
  • Fachambulanzen für Verhaltenssucht / Spielsucht: Spezialisierte Einrichtungen (u. a. an Universitätskliniken wie Mainz oder Essen) bieten strukturierte Diagnostik und Behandlungsplanung.1)
  • Haus- oder Fachärztinnen/-ärzte: Als erste Anlaufstelle bei körperlichen Beschwerden oder begründetem Verdacht auf psychiatrische Begleiterkrankungen.

Im Rahmen der professionellen Diagnostik kommen validierte Fragebögen zum Einsatz – etwa die Internet Gaming Disorder Scale (IGDS) oder das Computerspielabhängigkeits-Screening (CSAS) –, ergänzt durch klinische Gespräche. Da Depressionen, Angststörungen und ADHS häufig gemeinsam mit Computerspielstörung auftreten und die Behandlung beeinflussen, ist die Abklärung solcher Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) ein wichtiger Teil der Diagnostik.1)

Selbsttests können eine erste Orientierung bieten – sie ersetzen jedoch keine professionelle Diagnostik.

Bin ich spielsüchtig?

Der Selbsttest gibt erste Orientierung – er ersetzt keine professionelle Diagnostik.

Zum Selbsttest

Kognitive Verhaltenstherapie – der Kern der Behandlung

Kurz & Knapp

  • Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist der am besten untersuchte Ansatz bei Computerspielstörung
  • KVT analysiert Auslöser, verändert dysfunktionale Gedankenmuster und baut alternative Verhaltensweisen auf
  • Das STICA-Programm (Mainz) ist ein standardisiertes deutsches KVT-Manual für Computerspiel- und Internetsucht
  • Gruppentherapie ist laut S1-Leitlinie bei männlichen Patienten ebenso wirksam wie Einzeltherapie
  • Ziel ist kontrollierter, selbstbestimmter Umgang – nicht notwendigerweise vollständige Abstinenz

KVT ist der meistuntersuchte Ansatz – andere Therapieverfahren können ebenfalls wirksam sein.

Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) gilt derzeit als der am besten untersuchte Behandlungsansatz bei Computerspielstörung. Systematische Reviews, Metaanalysen und kontrollierte Studien zeigen, dass KVT-basierte Interventionen die Symptomschwere reduzieren können – auch wenn die Forschung insgesamt noch methodisch stärker werden muss.2) 4) 6)

Was KVT bei Computerspielsucht bedeutet

KVT zielt darauf ab, die Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen zu verändern, die das exzessive Spielen aufrechterhalten. Typische Therapieinhalte sind:

  • Auslöseranalyse: Welche Situationen, Gefühle oder Gedanken – etwa Langeweile, sozialer Druck oder Versagensgefühle – führen zum übermäßigen Spielen?
  • Kognitive Umstrukturierung: Identifikation und Bearbeitung von dysfunktionalen Überzeugungen wie „Nur im Spiel bin ich erfolgreich" oder „Im realen Leben kann ich sowieso nichts richtig machen".
  • Verhaltensaufbau: Stärkung von alternativen Aktivitäten, sozialen Kontakten und Hobbys; gezieltes Einüben eines gesunden Umgangs mit digitalen Medien.
  • Impuls- und Emotionskontrolle: Vermittlung konkreter Strategien, um Craving-Momente zu erkennen und zu steuern.
  • Rückfallprävention: Identifikation von Risikosituationen sowie Entwicklung individueller Notfallpläne.

Das STICA-Programm

An der Ambulanz für Spielsucht der Universitätsmedizin Mainz wurde das standardisierte Behandlungsmanual STICA (Short-Term Treatment of Internet and Computer Game Addiction) entwickelt – ein kognitiv-behaviorales Programm speziell für Computerspiel- und Internetsucht.7) STICA ist Bestandteil der S1-Leitlinie der AWMF und dient als Orientierungsrahmen für die Therapiepraxis in Deutschland.1)

Einzel- oder Gruppentherapie?

Laut S1-Leitlinie sind Gruppentherapiesitzungen bei männlichen Patienten mit Computerspielstörung ebenso wirksam wie Einzelsitzungen – und sie können helfen, Wartezeiten auf einen Einzeltherapieplatz zu überbrücken.1) Bei Kindern und Jugendlichen empfiehlt die Leitlinie ausdrücklich, Eltern aktiv in den Therapieprozess einzubeziehen oder schulbasierte Interventionen zu initiieren.1)

Auch andere Therapieverfahren als KVT können wirksam sein – überhaupt professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen ist wichtiger als die spezifische Therapierichtung.

Den Teufelskreis durchbrechen

In der KVT wird das Spielen nicht als „Feind" betrachtet, sondern als Symptom verstanden. Die Therapie arbeitet an den Wurzeln: Welche Bedürfnisse befriedigt das Spielen – und wie können diese auf gesunde Weise erfüllt werden? Ein zentrales Werkzeug ist die Verhaltensanalyse: Auslöser → Gedanken → Verhalten → kurzfristige Erleichterung → langfristige Konsequenzen. Das Aufdecken dieses Kreislaufs ist oft der erste Schritt zu dauerhafter Veränderung.

„Ich habe erst in der Therapie verstanden, dass ich nicht wegen der Spiele spielte, sondern weil ich damit dem Druck des Alltags entkommen wollte. Das zu erkennen war der eigentliche Schlüssel."

Betroffener, 24 Jahre, anonymisiert

Weitere Therapieansätze im Überblick

Kurz & Knapp

  • Motivierende Gesprächsführung stärkt die eigene Veränderungsbereitschaft – besonders hilfreich bei Ambivalenz
  • Systemische Therapie und Familientherapie beziehen das soziale Umfeld ein; bei Jugendlichen empfohlen
  • Achtsamkeitsbasierte Verfahren (z. B. MBSR) verbessern Impulskontrolle und Emotionsregulation
  • Bewegungstherapie und Sport zeigen in Metaanalysen positive Effekte auf Suchtverhalten und psychische Begleitsymptome
  • Medikamente: keine eigenständige Therapie für Computerspielsucht; sinnvoll bei Begleiterkrankungen (Depression, ADHS)

Kombinationsansätze aus mehreren Therapieformen zeigen in der Forschung häufig die besten Ergebnisse.

Neben der KVT gibt es weitere Therapieformen, die bei Computerspielsucht eingesetzt werden oder durch aktuelle Forschungsbefunde unterstützt werden.

Motivierende Gesprächsführung

Die motivierende Gesprächsführung (Motivational Interviewing, MI) zielt darauf ab, die eigene Bereitschaft zur Veränderung zu stärken. Sie ist besonders hilfreich, wenn Betroffene noch ambivalent gegenüber einer Behandlung sind oder den Leidensdruck (noch) nicht vollständig wahrnehmen. Im therapeutischen Gespräch werden eigene Werte und Ziele herausgearbeitet und mit dem aktuellen Spielverhalten abgeglichen.

Systemische Therapie und Familientherapie

Systemische Ansätze beziehen das soziale Umfeld – Familie, Partnerschaft, Freundeskreis – aktiv in die Behandlung ein. Eine Netzwerk-Metaanalyse mit 89 Studien und 6.876 Teilnehmenden zeigt, dass Familientherapie zu den Interventionen gehört, die Internetsucht bei Jugendlichen signifikant reduzieren.5) Bei Minderjährigen ist der Einbezug der Eltern besonders wichtig, da familiäre Dynamiken häufig an der Aufrechterhaltung der Störung beteiligt sind.

Achtsamkeitsbasierte Verfahren

Achtsamkeitsbasierte Interventionen (z. B. MBSR – Mindfulness-Based Stress Reduction) können die Impulskontrolle stärken und helfen, Craving-Momente bewusster wahrzunehmen, ohne automatisch darauf zu reagieren. Sie werden häufig als Ergänzung zur KVT eingesetzt.

Bewegungstherapie und Sport

Körperliche Aktivität hat sich in mehreren Studien als wirksame Ergänzung bei Internetsucht erwiesen. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2024 zeigt, dass sportliche Interventionen Suchtverhalten und begleitende psychische Symptome wie Angst, Einsamkeit und Depression bei Betroffenen signifikant reduzieren können.5)

Medikamentöse Behandlung

Eine eigenständige pharmakologische Therapie für Computerspielsucht wird derzeit nicht empfohlen. Begleitende psychiatrische Erkrankungen – vor allem Depressionen (z. B. behandelbar mit Escitalopram) und ADHS (z. B. mit Atomoxetin oder Methylphenidat) – sollten jedoch parallel medikamentös mitbehandelt werden, da sie das Suchtverhalten aufrechterhalten können.1) Die Einschätzung obliegt stets Fachärztinnen oder Fachärzten.

Ambulant, teilstationär oder stationär?

Kurz & Knapp

  • Ambulante Psychotherapie: für leichtere bis mittelschwere Verläufe; Alltag bleibt erhalten
  • Tagesklinik (teilstationär): intensivere Betreuung tagsüber, Abende und Wochenenden zu Hause
  • Stationäre Rehabilitation: bei schweren Verläufen oder nach erfolglosen ambulanten Maßnahmen; ca. 8–10 Wochen
  • Kostenübernahme: stationäre Reha wird bei anerkanntem Krankheitsbild von Rentenversicherung und Krankenkasse finanziert
  • Kein vollständiger Abstinenz-Ansatz: Ziel ist kontrollierter, selbstbestimmter Umgang mit digitalen Medien

Welches Setting sinnvoll ist, hängt vom Schweregrad ab – die psychotherapeutische Sprechstunde hilft bei dieser Einschätzung.

Je nach Schweregrad der Computerspielstörung und individueller Lebenssituation kommen unterschiedliche Behandlungssettings in Betracht. Die Entscheidung darüber wird gemeinsam mit Fachkräften getroffen – idealerweise in einer psychotherapeutischen Sprechstunde.

Ambulante Behandlung

Ambulante Psychotherapie ist für viele Betroffene der erste Weg. Sie findet ein- bis zweimal wöchentlich statt, ermöglicht das Weiterführen von Alltagsroutinen und bietet die Möglichkeit, Therapieinhalte direkt im eigenen Umfeld anzuwenden. Niedergelassene Therapeutinnen und Therapeuten, Fachambulanzen und Suchtberatungsstellen sind mögliche Anlaufstellen.

Teilstationäre Behandlung (Tagesklinik)

Wenn eine ambulante Behandlung nicht ausreicht, aber eine vollstationäre Aufnahme nicht notwendig ist, bietet die Tagesklinik intensive Betreuung bei täglicher Anwesenheit – ohne Übernachtung. Abende und Wochenenden werden zu Hause verbracht, was soziale Alltagsintegration fördert.

Stationäre Rehabilitation

Bei schweren Verläufen oder wenn ambulante Maßnahmen ohne ausreichenden Erfolg geblieben sind, kann eine stationäre Rehabilitation sinnvoll sein. Sie umfasst in der Regel etwa acht bis zehn Wochen und schließt Einzel- und Gruppentherapie, Psychoedukation, soziales Kompetenztraining, Bewegungsangebote und Sozialberatung ein.1) Spezialisierte Kliniken bieten eigene Konzepte für Menschen mit Computerspiel- und Internetsucht an – einige auch für Jugendliche ab 16 Jahren.

Die Kosten für eine stationäre Rehabilitation werden bei anerkanntem Krankheitsbild von den Rentenversicherungsträgern und Krankenkassen übernommen. Voraussetzung ist eine ärztliche Diagnose sowie ein Antrag auf Rehabilitation.1)

Kein vollständiger Abstinenz-Ansatz

Anders als bei manchen Substanzabhängigkeiten ist das Ziel bei Computerspielsucht nicht generell die vollständige Abstinenz vom Gaming. Da Computer und Internet tief in Alltag, Beruf und Bildung integriert sind, steht ein gesunder, selbstbestimmter Umgang mit digitalen Medien im Mittelpunkt der Behandlung.1)

Selbsthilfe, Online-Angebote und Unterstützung für Angehörige

Kurz & Knapp

  • BZgA-Portal ins-netz-gehen.de: kostenloser Selbsttest und vierwöchiges Online-Coaching
  • Selbsthilfegruppen ergänzen professionelle Behandlung – in Präsenz und online
  • Fachverband Medienabhängigkeit e. V.: Übersichtskarte für Anlaufstellen in Deutschland
  • ELSA und DAJEB: Beratungsangebote für Eltern und Angehörige, vermitteln spezialisierte Fachkräfte
  • Rückfälle sind kein Versagen – sie können Teil des Genesungsprozesses sein

Der Weg zur Genesung ist selten geradlinig – Unterstützung aus dem Umfeld und von Fachstellen macht ihn leichter.

Professionelle Therapie bildet das Fundament der Behandlung – begleitende Selbsthilfeangebote und Unterstützung für Angehörige können den Genesungsprozess erheblich stärken.

Online-Beratung und Selbsttests

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet unter ins-netz-gehen.de einen kostenlosen Selbsttest sowie ein vierwöchiges Online-Coaching für Menschen mit problematischer Internetnutzung an.8) Dieses Angebot kann als niedrigschwelliger Einstieg oder als Begleitung einer laufenden Therapie genutzt werden.

Selbsthilfegruppen

Selbsthilfegruppen – sowohl in Präsenz als auch online – bieten Betroffenen einen Raum für Austausch, gegenseitige Unterstützung und gemeinsames Lernen. Sie ersetzen professionelle Behandlung nicht, können sie aber bedeutsam ergänzen. Der Fachverband Medienabhängigkeit e. V. bietet eine Übersichtskarte mit Anlaufstellen in ganz Deutschland: fv-medienabhaengigkeit.de.

Unterstützung für Angehörige

Computerspielsucht betrifft nicht nur Betroffene selbst – auch Familienmitglieder, Partnerinnen und Partner sowie enge Freunde sind oft stark belastet. Hilfsangebote für Angehörige:

  • Elternberatung Sucht (ELSA) und Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung (DAJEB) können dabei helfen, wohnortnah spezialisierte Therapeutinnen und Therapeuten zu finden.1)
  • Suchtberatungsstellen beraten auch Angehörige – häufig ohne, dass die betroffene Person selbst kommen muss.

Rückfälle und der Genesungsprozess

Rückfälle – das vorübergehende Wiederaufgreifen übermäßiger Spielnutzung – können ein Teil des Genesungsprozesses sein. Sie sind kein Zeichen des Scheiterns, sondern eine Möglichkeit, Risikosituationen besser zu verstehen und Bewältigungsstrategien weiterzuentwickeln. In einem guten therapeutischen Rahmen werden Rückfälle gemeinsam ausgewertet und als Lernchance genutzt.

Wenn du dich in einer akuten Krise befindest: Die Telefonseelsorge ist kostenlos und rund um die Uhr erreichbar – 0800 111 0 111.

Quellen

  1. AWMF S1-Leitlinie „Diagnostik und Therapie von Internetnutzungsstörungen". DG-Sucht, AWMF-Reg.-Nr. 076-011, Version 1.0, Stand November 2024. register.awmf.org
  2. Lindenberg K, Kindt S, Szász-Janocha C. Effectiveness of Cognitive Behavioral Therapy-Based Intervention in Preventing Gaming Disorder and Unspecified Internet Use Disorder in Adolescents: A Cluster Randomized Clinical Trial. JAMA Network Open. 2022;5(2):e2148995. DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2021.48995
  3. Chang CH, Chang YC, Yang L, Tzang RF. The Comparative Efficacy of Treatments for Children and Young Adults with Internet Addiction/Internet Gaming Disorder: An Updated Meta-Analysis. Int J Environ Res Public Health. 2022;19(5):2612. DOI: 10.3390/ijerph19052612
  4. Zajac K, Ginley MK, Chang R. Treatments of internet gaming disorder: a systematic review of the evidence. Expert Rev Neurother. 2020;20(1):85–93. DOI: 10.1080/14737175.2020.1671824
  5. Zhou Z et al. Effectiveness of sports intervention: A meta-analysis of the effects of different interventions on adolescent internet addiction. J Affect Disord. 2024;365:644–658. DOI: 10.1016/j.jad.2024.08.064
  6. Danielsen PA, Mentzoni RA, Låg T. Treatment effects of therapeutic interventions for gaming disorder: A systematic review and meta-analysis. Addictive Behaviors. 2024;149:107887. DOI: 10.1016/j.addbeh.2023.107887
  7. Wölfling K, Jo C, Bengesser I et al. Computerspiel- und Internetsucht. Ein kognitiv-behaviorales Behandlungsmanual. Kohlhammer Verlag; 2013.
  8. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). ins-netz-gehen.de – Online-Angebot für Jugendliche und junge Erwachsene. ins-netz-gehen.de (abgerufen April 2025).

Häufige Fragen

Welche Therapieform hilft am besten bei Computerspielsucht?

Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist der am besten untersuchte Ansatz und wird in der S1-Leitlinie der AWMF als primäre Behandlungsform empfohlen. Studien legen nahe, dass Kombinationsansätze – z. B. KVT ergänzt durch Familientherapie, Achtsamkeit oder Sport – häufig besonders wirksam sind. Entscheidend ist, dass überhaupt professionelle Hilfe in Anspruch genommen wird – die spezifische Therapierichtung ist dabei weniger wichtig als der Schritt selbst.

Wie lange dauert eine Therapie bei Computerspielsucht?

Das hängt vom Schweregrad und dem gewählten Behandlungssetting ab. Ambulante Therapie umfasst in der Regel 24 bis 60 Sitzungen über mehrere Monate. Eine stationäre Rehabilitation dauert typischerweise acht bis zehn Wochen, gefolgt von ambulanter Nachsorge. Es gibt keine einheitliche Dauer – der Verlauf wird gemeinsam mit Therapeutinnen und Therapeuten individuell angepasst.

Übernehmen Krankenkassen die Kosten für eine Computerspielsucht-Therapie?

Ja, grundsätzlich können die Kosten übernommen werden. Da Computerspielstörung als anerkanntes Krankheitsbild gilt, finanzieren Rentenversicherungsträger und Krankenkassen stationäre Rehabilitationsmaßnahmen bei entsprechender ärztlicher Diagnose. Ambulante Psychotherapie ist über die gesetzliche Krankenversicherung ebenfalls abrechenbar, wenn eine behandlungsbedürftige Störung vorliegt. Eine genaue Auskunft gibt die jeweilige Krankenkasse oder eine Suchtberatungsstelle.

Kann man Computerspielsucht ambulant behandeln?

Ja – für viele Betroffene ist ambulante Therapie der geeignete Rahmen, insbesondere bei leichten bis mittelschweren Verläufen. Ambulante Behandlung findet typischerweise ein- bis zweimal wöchentlich statt und ermöglicht es, im gewohnten Alltag zu bleiben. Spezialisierte Fachambulanzen für Verhaltenssucht (u. a. an Universitätskliniken) bieten strukturierte ambulante Programme an.

Was tun, wenn jemand seine Computerspielsucht nicht wahrhaben will?

Veränderungsbereitschaft entwickelt sich oft schrittweise. Hilfreich kann es sein, Beobachtungen konkret und ohne Vorwürfe anzusprechen: Was fällt auf? Was hat sich verändert? Suchtberatungsstellen beraten auch Angehörige – häufig auch ohne, dass die betroffene Person selbst mitkommt. Die motivierende Gesprächsführung (Motivational Interviewing) ist ein therapeutischer Ansatz, der speziell darauf ausgerichtet ist, Menschen in ihrer Ambivalenz zu begegnen und Veränderungsbereitschaft behutsam zu fördern.

Gibt es spezielle Therapieangebote für Kinder und Jugendliche mit Computerspielsucht?

Ja. Die S1-Leitlinie der AWMF empfiehlt bei Minderjährigen ausdrücklich, Eltern in die Therapie einzubeziehen oder schulbasierte Interventionen zu initiieren. Einige spezialisierte Kliniken bieten stationäre Behandlungsprogramme bereits ab 16 Jahren an. Zudem gibt es das PROTECT-Programm, ein KVT-basiertes Gruppeninterventionsprogramm für Jugendliche, das in einer randomisierten kontrollierten Studie (422 Jugendliche, 12-Monats-Nachbeobachtung) eine signifikante Symptomreduktion von rund 40 % erzielte. Anlaufstellen für Familien sind u. a. die Elternberatung Sucht (ELSA) und die DAJEB.